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LIFE4HamsterSaxony

Ziele des Projektes »Life4HamsterSaxony«

Um den Feldhamster in Sachsen zu schützen und die Art langfristig zu erhalten, werden im Projekt folgende Kernziele verfolgt:

  1. Etablierung einer sich selbst erhaltenden, weiterhin wachsenden, gesunden und genetisch vielfältigen Feldhamsterpopulation im Raum Nordwestsachsen.
  2. Wiederherstellung von nachhaltigen Feldhamsterlebensräumen im Rahmen eines innovativen, an den Klimawandel angepassten Ackerbaus zur Schaffung von geeigneten Lebensbedingungen für eine sich selbst erhaltende Feldhamsterpopulation.
  3. Etablierung einer Erhaltungszucht zum Aufbau einer Reservepopulation für bestandsstützende Maßnahmen.
  4. Erweiterung des regionalspezifischen Fachwissens und Wissenstransfer zur Ökologie des Feldhamsters, zum feldhamsterfreundlichen Ackerbau und zur Auswirkung des Klimawandels auf den Feldhamster sowie Erkenntnisse zur Optimierung der Erhaltungs-, Entwicklungs- und Schutzmaßnahmen.
  5. Akzeptanz der Schutzmaßnahmen und Motivation für das Engagement zum Schutz des Feldhamsters.

Worum geht es genau?

Feldhamster sitzt aufrecht
Im Stand versucht der Feldhamster Feinde abzuschrecken. Seine weißen Pfoten sollen wie Reißzähne aussehen.  © Archiv Naturschutz LfULG, F. Berger

Der Feldhamster soll in Sachsen vor dem Aussterben bewahrt werden. Die letzte fast erloschene Population nordwestlich von Leipzig soll stabilisiert und ihr Schutz besser in die Ackernutzung integriert werden.

Basierend auf den Anstrengungen des 2008 gegründeten »Arbeitskreis Kooperativer Feldhamsterschutz Sachsen« wurde im Zoo Leipzig mit Hilfe von Landesmitteln in den vergangenen Jahren mit dem Aufbau einer Erhaltungszucht begonnen. Zudem wurden vom Landkreis Nordsachsen organisierte Hilfsmaßnahmen für eine feldhamsterfreundliche Bewirtschaftung mit Landesmitteln umgesetzt und seit Mai 2024 Feldhamster ausgewildert.

Im September 2024 wurde vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG), dem Zoo Leipzig sowie dem Landkreis Nordsachsen ein umfangreicher Projektantrag zur Verstetigung der vorherigen Anstrengungen bei der Europäischen Union eingereicht. Mit Erfolg: Im Juni 2025 konnte die Fördervereinbarung mit der EU zum Projekt »LIFE4HamsterSaxony« abgeschlossen werden. Bis Ende 2031 stehen insgesamt 12,2 Millionen Euro für den Schutz des kleinen Nagers zur Verfügung (Projektmittel beim LfULG in Höhe von 7,2 Millionen Euro und beim Zoo Leipzig in Höhe von 5,0 Millionen Euro). Die EU fördert 75 Prozent der Projektkosten, die Projektpartner bringen einen Eigenanteil von 25 Prozent auf.

Durch einen kooperativen Ansatz werden die im Projektgebiet wirtschaftenden Landwirtschaftsbetriebe in die Umsetzung einbezogen. Gemeinsam mit den Betrieben vor Ort werden sowohl bewährte Maßnahmen umgesetzt als auch innovative Ansätze entwickelt und erprobt, die dem Feldhamster Lebensraum und Nahrung bieten. Beispielsweise soll der Anbau von Kulturen getestet werden, die die Auswirkungen des Klimawandels (wie Trockenstress) für den Feldhamster kompensieren. Für ihre Mitwirkung im Projekt erhalten die Landwirte einen finanziellen Ausgleich. Langfristiges Ziel ist es, geeignete einfache Maßnahmen zu identifizieren, die nach Projektende in die reguläre Bewirtschaftung integriert werden können.

Ausgangssituation des Feldhamsters in Sachsen

Der Feldhamsterlebensraum »Acker« ist stark von den Nutzungsinteressen des Menschen geprägt. Die Gefährdungen für den kleinen Nager beziehungsweise die Ursachen für den dramatischen Rückgang der Populationen sind vielfältig, aber hauptsächlich menschlichen Ursprungs.

Bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam der Feldhamster nahezu überall in Deutschland teils massenhaft vor. Zu Beginn des Rückgangs in den 1960er Jahren wirkten sich vor allem die gezielte Verfolgung und Tötung des Feldhamsters als Ernteschädling und für die Pelznutzung stark auf die Bestandsentwicklung aus. Im Osten Deutschlands gab es die sogenannte »Pelzprämie«: Wer die getrockneten Felle der Tiere abgab, erhielt Geld dafür. Mit der Kollektivierung und Modernisierung der Landwirtschaft in Ostdeutschland traten neue Gefährdungen auf: Eine zunehmende Mechanisierung, neue Methoden (wie beispielsweise das Tiefpflügen) und deutlich größere Schläge veränderten den angestammten Lebensraum erheblich.

Die Erhöhung des Schutzstatus der Art im Jahr 1992 zur »streng zu schützenden Art« nach Anhang IV der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU bewirkte keine Trendwende. Mittlerweile gilt der Feldhamster in der gesamten EU als »vom Aussterben bedroht«. Die Feldhamsterpopulation in Sachsen ist allein zwischen 2002 und 2005 um mehrere tausende Individuen zurückgegangen und nach 2020 unter die Nachweisgrenze gefallen. Die Ursachen für den anhaltenden Rückgang der Bestände liegen vor allem in der fortschreitenden Intensivierung und Modernisierung der Landwirtschaft: Weniger Kulturen auf immer größeren Flächen entziehen dem Feldhamster die Rückzugsorte und machen seinen Lebensraum zunehmend instabiler. Zusätzlich engt die Versiegelung von Ackerflächen und ihre Zerschneidung zum Beispiel durch Straßen die Lebensräume ein. Auch unter dem Klimawandel hat der charismatische Ackerbewohner zu leiden: Feldhamster nehmen Flüssigkeit durch Morgentau auf. Durch höhere Temperaturen bildet sich weniger Morgentau, die Tiere leiden Durst.

Nähere Informationen zur Entwicklung der Feldhamsterpopulation in Sachsen finden Sie unter Feldhamsterschutz in Sachsen.

 

Finanziert durch die Europäische Union. Die geäußerten Ansichten und Meinungen sind ausschließlich die der Autoren und spiegeln nicht die der Europäischen Union oder der Europäische Exekutivagentur für Klima, Infrastruktur und Umwelt wider. Weder die Europäische Union noch die Förderbehörde können dafür haftbar gemacht werden.

Logos der Partner im Feldhamster-Programm
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